Dietlinde Hachmann
Presseveröffentlichungen
Kornwestheimer Zeitung vom 23.01.2010
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AvW News (Online Blog) am 04.02.2009:
Das Interview mit Frau Dietlinde Hachmann, geführt von Bendix Michaelsen, finden Sie unter dem folgenden link:
Möglinger Nachrichten am 25.09.2008:
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 19.08.2008:
Eine große Liebe im falschen Jahrhundert
Von Christine Bilger
Dietlinde Schmidt schreibt die Geschichte ihrer Mutter auf, die ihrem Herz nach Indien folgte.
Das Leben ihrer Mutter ist für Dietlinde Schmidt aus Möglingen lange voller Rätsel gewesen. In einer Kiste mit Briefen fand sie Antworten. Nun schreibt sie die Geschichte ihrer Mutter auf, die in den
fünfziger Jahren ihrem Herz folgte und nach Indien reiste.
Die Kiste stand mehrere Jahre lang unangerührt im Büro. Oben auf dem Schrank, so präsent und doch unberührbar. Die Kiste ist Dietlinde Schmidts Wunscherbe gewesen. Das wusste ihre Mutter. Ihr Wunsch
war so stark, dass die Mutter ihm in ihrem letzten Willen entsprach. 1989 erbte Dietlinde Schmidt jene Kiste, bis zum Rand gefüllt mit Erinnerungen der Familie, von denen die Tochter viel ahnte und
doch kaum etwas wusste. Erst 16 Jahre nach dem Tod der Mutter konnte Dietlinde Schmidt die Hemmschwelle überwinden, die Kiste zu öffnen und in den privaten Briefen ihrer Eltern zu lesen. Darin fand
sie die Geschichte einer Frau und ihrer großen Liebe. Zugleich ist es die Geschichte einer Frau, die ihrer Zeit voraus war, die "im falschen Jahrhundert lebte", wie es ihre 1951 geborene jüngste
Tochter beim Lesen der Briefe feststellte. Es ist die Geschichte der Lieselotte Hachmann, der "Mutti" von Dietlinde Schmidt. Die Briefe haben ihr aber auch erzählt, wie ihr Vater um seine Frau
kämpfte - wohl wissend, dass die Liebe ihres Lebens im fernen Kalkutta lebte. Dietlinde Schmidt hat die Briefe gelesen, die Geschichte nachvollzogen. Nun schreibt sie sie auf - für sich und andere
soll ein Buch aus dem Wunscherbe entstehen.
Das Bild des Mannes, den Lieselotte Hachmann 1938 im Alter von 19 Jahren in Schottland kennenlernte, "hing immer bei uns zu Hause", erinnert sich Dietlinde Schmidt. Der Mann auf dem Foto war für sie
und ihre drei Schwestern Onkel Debu aus Kalkutta in Indien. "Für mich war er immer eine warme, herzliche Person", sagt Dietlinde Schmidt über ihren Onkel Debu - dessen voller indischer Name für
deutsche Zungen nur schwer auszusprechen ist. Woher ihre Zuneigung zu dem Fremden auf dem Foto kam, kann sie nur schwer erklären. Vielleicht liegt es aber daran, dass er in einem anderen Leben, in
einer anderen Zeit der Mann an der Seite ihrer Mutter hätte sein können.
Das sollte aber nicht sein. Lieselotte Hachmann war mit ihren 19 Jahren damals zu jung gewesen, um sich binden zu dürfen, und die internationale Liaison wäre in ihrer Zeit undenkbar gewesen. Außerdem
musste sie wegen des Zweiten Weltkrieges ihr Philosophiestudium in Schottland abbrechen. Nach dem Krieg heiratete sie in Deutschland und lebte mit ihrem Ehemann und den vier Töchtern in der
Lüneburger Heide. "Bei uns waren immer Inder zu Gast. Für uns Kinder war das ganz normal", erinnert sich das Nesthäkchen.
Die Erklärung für die fremdländischen Besucher war die Leidenschaft der Mutter für Indien; in der 19-jährigen Studentin einmal entfacht, erlosch sie nicht mehr. Die Mutter knüpfte Kontakte zu
indischen Studenten in Hamburg und gründete in der Hansestadt die deutsch-indische Gesellschaft.
Eines Tages war die Mutti dann weg. Für die kleine Dietlinde, die 1956 gerade fünf Jahre alt war, brach eine heile Welt zusammen. Sie wurde mit einer Schwester zu einer Tante gebracht, die zwei
Geschwister kamen zu anderen Verwandten. "Plötzlich ist es meiner Mutter bei der Gartenarbeit eingefallen, dass sie den Inder wiedersehen muss", erzählt Dietlinde Schmidt. Der Vater konnte sie nicht
halten, hatte er ihr Herz doch unter anderem durch das Zugeständnis gewonnen, sie freizugeben, sollte sie eine zweite Chance für ihre erste große Liebe sehen. Es ist dann doch noch eine
Liebesgeschichte geworden. Lieselotte fand ihren Debu, der inzwischen den Botanischen Garten in Kalkutta leitete. Jedoch blieb sie nur für ein Jahr in Indien und kehrte danach aus Pflichtbewusstsein
zu ihrer Familie nach Deutschland zurück.
All das hat Dietlinde Schmidt aus jener Kiste erfahren. Der Reihe nach las sie die Briefe der Mutter und des Onkels Debu, dann die ihres Vaters. Die Geschichte hat Spuren hinterlassen. Denn auch wenn
die Mutter nach einem Jahr aus Indien zurückkehrte, das Vertrauen der Kinder habe darunter gelitten. Auch deswegen wollte Dietlinde Schmidt die Geheimnisse aus der Kiste ergründen. "Meine Mutter ist
nicht nur aus Egoismus nach Indien gegangen. Sie wollte die Beziehung zu Debu klären, um wieder zu Hause in Deutschland leben zu können", sagt Dietlinde Schmidt. Im Frühjahr war sie zum ersten Mal
selbst in Indien, auf den Spuren ihrer Mutter. Die Geschichte aus der Kiste schreibt Dietlinde Schmidt zurzeit auf, "weil so viele Freunde gesagt haben, das musst du weitergeben". Der Titel für das
Buch steht bereits fest: "Mein Wunscherbe" soll es heißen.
